Fig. 8: (Portion of a) contact print made from an original wet collodion glass plate negative, size 8 x 10''

Fig. 20: Section of print of 11.6 times enlargement from duplicate negative on Kodak Professional Direct Duplicating Film SO-015.

Fig. 21: Section of print of 64 times enlargement from the original wet collodion glass plate negative.

Fig. 22: Section of print at 64 times enlargement from duplicate negative on Kodak Separation Negative film, Type 1, 4131, via interpositive on the same film.



Ein letzter Brief aus Kanada

Lieber Herr Hesse,

Hier sind die zwei Artikel, die ich versprach Ihnen zu senden. ...

Ich bezweifle ernsthaft, daß je einer meiner Leser den zweiten Artikel über die Herstellung von Duplikatnegativen („Repro-Negativen")* gelesen hat, obwohl ich ihn mindestens schon zweimal zitiert habe. Die deutschen Kollegen -- aber auch die meisten ausländischen -- haben einen Horror vor zwei Gebieten: chemische Behandlung von S/W-Fotografien, und Reprofotografie. Für mich sind beide integrale Bestandteile der Fotorestaurierung. Diesen zweiten Artikel brauchen Sie nicht zu lesen, aber schauen Sie sich bitte die Bilder auf den Seiten 191--197 an. Abbildung 8 ist der zentrale Ausschnitt eines Kontaktabzugs von einem Originalnegativ. Es wurde nach dem nassen Kollodiumverfahren, Format 8x10 Zoll, im Jahre 1873 gemacht. Man kann mit bloßem Auge gerade noch ein Schild erkennen auf dem Dach des Gebäudes links neben dem dicken Schornstein. Lesen kann man es nicht. Abb. 9 zeigt eine Vergrößerung (etwa 5x) vom Originalnegativ, Abb. 10--14 denselben Ausschnitt von Duplikatnegativen auf verschiedenen Filmsorten. Abb. 15: höhere Vergrößerung vom Original, Abb. 16--20, ditto von Duplikatnegativen. Jetzt wird's interessant: Abb. 21 ist eine 64-fache (!) Vergrößerung vom Original (1873!), Abb. 22--26 Vergrößerungen, 64-fach, von verschiedenen Duplikatnegativen.

Beachten Sie bitte das Auflösungsvermögen und die Schärfe der Fotografie in Abb. 21, und vergleichen Sie dieses Bild mit Abb. 22 und 26.

Diese Bilder lehren uns zwei Dinge:

1. Die erstaunliche Fähigkeit von Silberhalogenidfilmen, Einzelheiten aufzulösen und in großer Schärfe wiederzugeben.

2. Solche Negative können ohne Detail- und Schärfeverluste dupliziert werden, wenn man das richtige Filmmaterial auswählt und Verständnis des photographischen Prozesses hat.

Wenn diese Szene mit einer elektronischen Kamera (Video oder Digital) aufgenommen worden wäre, hätte die Inschrift nicht herausvergrößert werden können: sie wäre einfach nicht aufgezeichnet worden. Wohl aber kann man heute das Originalnegativ abtasten und so die Inschrift elektronisch sichtbar machen, denn die Information ist ja schon im S/W-Negativ enthalten. Dies Beispiel zeigt klar die fundamentale Überlegenheit der Silberhalogenid-Technologie.

Und darum habe ich die Kolumne für Rundbrief Fotografie N.F. 10 geschrieben.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus B. Hendriks.

* Klaus B. Hendriks, Douglas R. Madeley, Fred Toll, and Brian Thurgood: The Duplication of Historical Black-and-White Negatives, in: Journal of Imaging Technology, Vol. 12, No. 4, August 1986, S. 185--199.

Aus: Rundbrief Fotografie N.F. 11 (1996), S. 3






© bei Autoren und Redaktion. Angaben ohne Gewähr. Stand: 15.08.1998. Online-Redakteur: Wolfgang Jaworek