Ivo Kranzfelder: Das fotografierte Museum. In: Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken, Esslingen 2001 (Rundbrief Fotografie, Sonderheft 6), S. 227-235.

Zusammenfassung

Bis auf den heutigen Tag wird Kunstgeschichte zum größten Teil mittels fotografischer Reproduktionen betrieben. Räumlich weit voneinander entfernte und in der Zeit ihrer Entstehung weit auseinanderliegende Kunstgegenstände können in direkten Vergleich gebracht werden. Das hat unser Kunstverständnis, damit die Kunstgeschichte und nicht zuletzt den Kunstbegriff, also auch die Kunst selbst, stark beeinflußt und verändert. Auf den Begriff gebracht wurden diese Veränderungen erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts durch André Malraux. Er nannte seine Idee eines photographierten Museums "Das imaginäre Museum". Dieses, so glaubte er, "wird die Intellektualisierung, wie sie durch die unvollständige Gegenüberstellung der Kunstwerke in den wirklichen Museen begann, zum Äußersten treiben". Kunstgeschichte an sich ist zur Fiktion geworden durch die gleichmacherische, nivellierende fotografische Reproduktion. Darauf ziele auch die künstlerische Produktion ab.





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