Andreas Krase: "Sowohl Dokumentation als auch Kunst": Zur Umbewertung fotografischer Sammlungsbestände. In: Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken, Esslingen 2001 (Rundbrief Fotografie, Sonderheft 6), S. 106-120.

Titel

Ein Lieferant fotografischer Aufnahmen - Definitionen aus der Sicht von Sammlern und Publizisten (Atget als Surrealist - Atget als künstlerischer Vorläufer und kritischer Realist - Noch einmal: Atget als Künstler - Atget als Gewerbefotograf) - Abschluß

Zusammenfassung

Der Text geht am Beispiel Eugène Atgets unterschiedlichen, sogar gegensätzlichen Konstruktionen eines Fotografen und eines fotografischen Werks nach, um nach Gründen und Hintergründen für die Umbewertung von Sammlungsbeständen zu fragen. Die Umbewertungen erfolgten im musealen und fotografiegeschichtlichen Kontext und waren Ausdruck museumspolitischer Interessen und historiographischer Akzentuierungen. Anhand der skizzierten Prozesse läßt sich aber auch ein Wandel der Wahrnehmung nachvollziehen, der zur Praxis in Bildarchiven gehört: Unterschiedliche Kontextualisierungen verändern anscheinend den ästhetischen Charakter des betrachteten Objekts. Dabei ist es selbstverständlich immer die Konditionierung des Betrachters, die die Rezeption leitet. So sind die Ergebnisse niemals absolut. Nicht nur der Forschende, auch der Ausstellungsbesucher sollte sich der Relativität seines historischen Standpunktes bewußt sein. Dieser Relativismus macht es nicht einfacher, auch wenn er mit einem höheren Grad des Selbst-Bewußtseins und also Selbst-Genusses verbunden sein mag. Zumindest aber macht er es möglich, das schon akkumulierte Material vor vorschnellen Aussonderungen und Kategorisierungen zu schützen. Es sind die Deutungshorizonte und Erkenntnisinteressen, die sich ändern, nicht die (fotografischen) Objekte.





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