Die Skizze - Die Zeichnung - Die Fotografie - Der Text - Starke und schwache Medien der Darstellung - Ethnographische Objekte: im Museum und vor Ort - Das Zeichnen ethnographischer Objekte - Zeichnerischer Durchblick
Es ist seit langem üblich, Museumsobjekte für die Archivdokumentation und Veröffentlichung zu fotografieren. Offensichtlich gehen wir davon aus, daß Zeichnen und Fotografieren schwache beziehungsweise starke Hilfsmittel der Dokumentation sind. Sobald man jedoch die Wahl hat, einen Auftrag entweder an einen Zeichner oder an eine Fotografin zu geben, stellt sich diese vor hundert Jahren scheinbar beantwortete Frage erneut: Was spricht für eine Zeichnung? Was für eine Fotografie? Hierbei geht es weniger um die Arbeit an der bildlichen Reproduktion selbst, sondern ausschließlich um die verschiedenen Wirkungen. Beide Formen der Übertragungen sind auch Hilfsmittel der Erinnerung und des Verstehens. Dabei hilft das Zeichnen dem genauen Hinsehen. Beim Zeichnen prägen sich die oft bedeutungstragenden Details eines Gegenstands besonders nachdrücklich ein. Der Zeichner setzt sich mit Material und Herstellung auseinander. Beim Fotografieren vor Ort bleibt quasi unbeabsichtigt viel von dem Kontext, in dem sich der Gegenstand befindet, erhalten. Die Fotografie überliefert Informationen, die ich im ersten Anschauen meist unscharf wahrnehme. Die Fotografie liefert alles, was vor der Linse sichtbar ist, die Zeichnung nur das, was der Zeichner gesehen hat. Letzteres gilt als Mangel. Warum also diese Frage, die seit fast hundert Jahren geklärt scheint, von Neuem stellen?
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