Harald Krämer: Agieren statt reagieren. Zum Wandel der Dokumentation. In: Verwandlungen durch Licht. Fotografieren in Museen & Archiven & Bibliotheken, Esslingen 2001 (Rundbrief Fotografie, Sonderheft 6), S. 31-39.

Titel

Werkbegriff als Herausforderung - Metadaten und Digitale Sammlungen - Grenzen konventioneller Dokumentation - Ansätze künftiger Dokumentation - Perspektiven

Zusammenfassung

Zeitgenössische Kunst ist offen, flüchtig, interdisziplinär, multimedial, prozessual, diskursiv, konzept- und kontextbezogen und daneben immer häufiger auf Interaktion mit dem Rezipienten abzielend. In der Vielschichtigkeit ihres Auftretens erfordert zeitgenössische Kunst eine Dokumentation in einem erweiterten Sinne, wenn sie auch noch für diejenigen zum Gegenstand wissenschaftlicher Befragung und Historisierung werden soll, die bei ihrer Entstehung, Präsentation, Aufführung nicht dabei gewesen sind. Mit den herkömmlichen Mitteln der Dokumentation, die noch immer als Grundlage kunstwissenschaftlicher Forschung zu gelten hat, sind Werke zeitgenössischer Kunst häufig nur unzureichend zu erfassen. Hierin unterscheidet sie sich auch grundlegend von traditioneller Kunst, deren substantielle Objekthaftigkeit einer gleichsam statischen Dokumentationsform keinen Widerstand entgegensetzt. Gerade die Rolle der Fotografie, die aufgrund ihrer reproduzierenden Fähigkeit zum wesentlichen Instrument der Dokumentation traditioneller Kunstwerke wurde, ist in ihrer Einbindung in rezente multimediale Ensembles mehr als diffus. Die Aufhebung des Originalbegriffs durch den flächendeckenden Angriff reproduzierter Reproduktionen und der sich permanent verändernde und erweiternde Werkbegriff haben nicht nur Auswirkungen auf die wissenschaftliche Forschung, sondern konfrontieren Archivare und Registrare mit einer Vielzahl von Herausforderungen und Fragen.

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