Rundbrief Fotografie
Vol. 9, No. 3 / N.F. 35, September 2002
Magazinraum des Archivs Sächsische Zeitung und
Morgenpost Sachsen, Dresden, 21. August 2002. Foto:
Sächsische Zeitung/Hans Christian Lindner. > Seite
11
Gelatinetrockenplatten: Festigungsmittel zur Sicherung sich
lösender Emulsion (S.
Protze) Zur Restaurierung von Gelatinetrockenplatten mit Bereichen sich
lösender Emulsion stehen zwei Verfahren zur Verfügung:
das Übertragen der Emulsion auf einen neuen Träger und
das Sichern der Emulsion durch Festigungsmittel. Das erste wird an
Negativen angewendet, deren Glasträger korrodiert und/oder
gebrochen ist, das zweite kommt an Negativen zur Anwendung, die
einen intakten Glasträger aufweisen. Die bisher eingesetzten
Festigungsmittel beruhen sowohl auf wässriger als auch auf
nicht wässriger Basis. Der Einsatz von nicht wässrigen
Festigungsmitteln schließt die Möglichkeit aus,
daß sich die Emulsion durch Quellen der Gelatine-Emulsion
irreversibel verändert. Deshalb ist der Einsatz von nicht
wässrigen Festigungsmitteln vorzuziehen.
Industrielle Trockenplatten - Ursachen für sich lösende
Emulsionen - Methoden der Restaurierung - Untersuchungen -
Auswertung - Versuche der Reinigung - Bewertung und Ausblick -
Anmerkungen
USA: Zur Geschichte der Fotokonservierung (Pau
Maynés, Grant
B. Romer) In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hat sich das
Gebiet der Fotokonservierung zu einem eigenen Berufsbild
entwickelt und ist heute eine anerkannte konservatorische
Spezialdisziplin. Diese Entwicklung begann in den 70er Jahren mit
einem steigenden Bewußtsein für den historischen Wert
von Fotografien, einem zunehmendem Bewußtsein für die
Empfindlichkeit von Originalen, der Einrichtung von Sammlungen
fotografischer Kunst und einem Anstieg des Marktwertes von
wichtigen Fotografien. Der vorliegende Beitrag beschreibt, wie die
Autoren durch ein am George Eastman House - International Museum
of Photography in Rochester, New York, durchgeführtes
Forschungsprojekt zu der Überzeugung gelangten, daß die
frühe Entwicklung des heutigen Fachgebiets auf Ereignisse
zurückgeht, die in Rochester stattfanden. Wichtige Daten in
diesem Prozeß waren die Einrichtung eines wissenschaftlichen
Forschungslabors bei der Eastman Kodak Co. im Jahre 1912, die
Gründung des George Eastman House als Museum für
Fotografie im Jahre 1949 und die Einrichtung eines
Konservierungslabors 1975. Restaurierung bei Eastman Kodak - Das George Eastman Haus -
Eröffnung des Konservierungslabors - Schlußbemerkung -
Literatur
Eastman Kodak: http://www.eastman.org
Inkunabel: Niépce's Heliographie analysiert und
konserviert (Sebastian
Dobrusskin) Im Juni dieses Jahres ging die Meldung um die Welt, daß
die älteste erhaltene Fotografie im Getty Conservation
Institute erstmals einer eingehenden wissenschaftlichen
Untersuchung unterzogen wurde. Dies soll zum Anlaß genommen
werden, die bewegte Geschichte dieses Bildes und die neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnisse über seine Entstehung in
Kürze zusammenzustellen. Älteste erhaltene Fotografie nach der Natur: http://www.marillier.nom.fr/collodions/pgh1stphoto.html
US-Rochester NY: Update Image Permanence Institute (Franziska
Frey) Viele der jüngsten Aktivitäten des Image Permanence
Institute (IPI) am Rochester Institute of Technology, Rochester NY
<www.rit.edu/ipi> befaßten sich mit Fragestellungen im
Bereich der Umgebungsbedingungen für die Lagerung von
Sammlungen aller Art. Dies ist eine logische Weiterverfolgung von
verschiedenen Projekten, die 1988 mit der ersten Studie über
Azetatmaterialien begonnen hatte. Untersuchungen des
Stabilitätsverhaltens von verschiedenen Materialien haben
gezeigt, daß es notwendig ist, die Lagerungsbedingungen zu
verbessern. Climate Notebook - Kaltlagerung - Inkjet - Anmerkung
Rochester Institute of Technology, Rochester NY: http://www.rit.edu/ipi
| Climate Notebook: http://www.climatenotebook.org
DE-Berlin: Dr. h.c. Timm Starl (Viktoria
Schmidt-Linsenhoff) Am 30. Juni 2002 verlieh die Universität der Künste
Berlin in einer Doppelfeier zwei Ehrendoktoren-Titel: an den
Sammler und Stifter Hartwig Piepenbrock und an den Fotohistoriker
und langjährigen Herausgeber/Chefredakteur der Zeitschrift
"Fotogeschichte", Timm Starl. Timm Starl hat durch seine
Forschungen und den Aufbau dieses Periodikums, das er jahrelang
auch verlegte, sowie nicht zuletzt durch seine ebenso geduldige
wie strenge Sorgfalt beim Redigieren wesentlich die Entstehung
einer innovativen Fotohistoriografie im deutschsprachigen Raum
angestoßen und gefördert. Auch daß es den
"Rundbrief Fotografie" gibt, hat damit mehr zu tun als nur
Zufälliges. Die Laudatio auf Timm Starl hielt Andreas Haus.
Im folgenden dokumentieren wir das Gutachten von Viktoria
Schmidt-Linsenhoff (Universität Trier), das die Ehrung
begründet. Wir schließen uns dem gratulierend an. (W.
Hesse)
Stuttgart I: Die Podiumsdiskussion (Wolfgang
Seidel) Am Schluß der am 14. und 15. Juni 2002 im Stuttgarter
Rathaus ausgerichteten Tagung "Foto-Erbe" stand eine
Podiumsdiskussion. Die an beiden Tagen angesprochenen Aspekte zu
den Themen Fotografen-Nachlässe und Fotografen-Archive
sollten zusammengefaßt, zueinander in Beziehung gesetzt und
kulturpolitische Initiativen angedacht werden. Dabei war
besonderes Augenmerk auf die Schnittstelle zwischen den
Bildproduzenten und den übernehmenden Institutionen
gerichtet. Die Teilnahme des Vertreters einer schweizerischen
Bundesinstitution sollte aus internationalem Blickwinkel
vorschnelle Verengungen auf bundesdeutsche kulturpolitische
Strukturen vermeiden helfen. Die Teilnehmer - Nachlaß Kilian - Institut Heinrich
Heidersberger - Sammeln im Landesinteresse - Kassation - Tarif und
Bewertung - Die Schweiz - Kompetenzzentrumfür Fotografie -
Zauberwort "Stiftung" - Fotografen - Selbstbewußtsein der
Fotoarchivare stärken - Praktische Perspektive
"Sammlungsverzeichnis"
DE-Kassel: Fotografie auf der Documenta 11 (Thomas
Wiegand) Die diesjährige Documenta hatte gegen die Vorverurteilung
zu bestehen, man zeige blutleere, unsinnliche, inhaltsschwere und
dabei immer politisch korrekte Kunstwerke, wobei Malerei und
Bildhauerei als Gattungen ebenso weitgehend ausgegrenzt worden
seien wie kunsthistoristische, privat-obsessive oder
formal-ästhetische Ansätze. Im Prinzip mußte man
dem zustimmen, aber deshalb sah man in Kassel keine schlechte oder
langweilige Ausstellung, die einen gleichgültig gelassen
hätte. Die inhaltliche Fokussierung der Schau auf Probleme
der Globalisierung, auf eine Auseinandersetzung mit der
Unübersichtlichkeit von Wirtschaft und Gesellschaft oder mit
dem Wildwuchs von Siedlungen gab den Rahmen vor, in dessen Grenzen
die künstlerische Leitung der Documenta, Okwui Enwezor und
sein Team, agierte.
Global denken, lokal ausstellen - Langsame Geschichten - Wie
präsentiert man hundert Kleinformate? - Fiona Tans Hommage an
August Sander - Form und/oder Inhalt? - Die Welt ist schön
kompliziert - Anmerkung
Aus den Sammlungen
Halle V: Fotografie ohne Lobby: Berlin ein Zentrum ohne
Centrum (Enno
Kaufhold) Der Rundbrief Fotografie hat in der Vergangenheit nach
Kräften ausführlich über die Überlegungen und
Arbeitsschritte im Vorfeld des geplanten "Deutschen Centrums
für Photographie" der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
in Berlin informiert. Die Tatsache, daß nun die
angekündigte zweite Personalstelle ausgeschrieben worden ist,
tröstet nur wenig über das Scheitern des großen
Entwurfs hinweg. Enno Kaufhold hat im Rahmen der Hallenser Tagung
"Bild und Bildung" eine (abschließende?) Würdigung der
Gründe hierfür vorgelegt, die wir nachstehend
dokumentieren. (W. Hesse) Chronik des Scheiterns - Parlamentarisches Nachspiel -
Funktionen von Fotografie - Perspektiven des Wandels
Halle VI: Dia-positiv? Einige Anmerkungen zur Geschichte des
kunsthistorischen Blicks (Heinrich
Dilly) Oft genug schon ist auf die parallele Erfolgsgeschichte von
Lichtbildprojektion und universitärer kunstgeschichtlicher
Forschung und Lehre aufmerksam gemacht worden. Zu allererst 1975
in meinem Aufsatz "Lichtbildprojektion - Prothese der
Kunstgeschichte"[1], zuletzt im jüngsten, man
möchte meinen, pünktlich zur Tagung in Halle über
Bild und Bildung erschienenen Heft der "kritischen berichte" (Abb.
1) [2]. Weil dieses Heft eine jahrelange Diskussion
zusammenfaßt und das Interesse auf die fachlichen
Auseinandersetzungen unter den Kunsthistorikern über die
Einführung der fotografischen Lichtbild-Reproduktionen in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lenkt, möchte ich im
folgenden auf die entsprechende Praxis und deren Auswirkungen im
ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zurückkommen und
fünf, bislang kaum beachtete Aspekte zu Diskussion
stellen.
Arbeitsgruppen
Restauratoren: Verband der Restauratoren e.V. (VDR) (Albrecht
Henkys)
Die Fachgruppe "Grafik, Archiv- und Bibliotheksgut" -
Fotorestaurierung im VDR - Mitgliedschaft im VDR