Farbmittel digitaler Ausdruckmedien:
Drucktechnik und Haltbarkeit

Rita Hofmann 

 

Einleitung

Computer haben sich in den letzten Jahren als Werkzeuge in der Gestaltung von Texten, Grafiken und Daten weltweit durchgesetzt und werden in der Zukunft diese führende Rolle noch weiter ausbauen.

So werden schon jetzt sehr viele Dokumente in Textverarbeitungssystemen erstellt, viele Grafiken in Zeichenprogrammen entworfen und wissenschaftliche und technische Daten per Computer ausgewertet. Ursprünglich analoge Daten, Bilder und Texte werden häufig in ein digitales Dokument überführt, in dem sie besser verarbeitet, abgelegt oder übermittelt werden können, selbst wenn sie als Endprodukt wieder zu analogen Bildern und Texten umgewandelt werden müssen. Dies ist der typische Arbeitsfluss in der heutigen grafischen Industrie, bei der der Grossteil der Verarbeitung schon auf digitalem Weg stattfindet. Die (professionelle) Fotografie befindet sich gerade in einer Umbruchphase und wird in wenigen Jahren ebenfalls zur digitalen Bildretusche und -verarbeitung übergegangen sein.

Computerdaten und -dokumente sind digital gespeichert und können jederzeit auf dem Bildschirm wieder lesbar gemacht werden - jedenfalls solange die Hard- und Software existieren, die sie erzeugt haben [1]. Dennoch bevorzugen viele Menschen weiterhin eine Papier- oder Filmkopie, eine sogenannte „Hardcopy", sei es aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit, des schnellen Zugriffs oder der Archivierung. Damit ergibt sich die Fragestellung, auf welche Medien diese Daten ausgegeben werden sollen und wie es mit der Haltbarkeit dieser Medien steht.

Bei schwarzweissen Bild- und Textdokumenten haben sich Laserprinter im Bürobereich durchgesetzt. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Fotokopierer und mit den gleichen beständigen Verbrauchsmaterialien [2]. Auf dem Gebiet farbiger Bilder und Dokumente kommt eine Vielzahl von Technologien zum Einsatz, deren Funktionsweise im folgenden Artikel ausführlich beschrieben werden soll. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Haltbarkeit der Farbmittel und der Gesamtbilder gelegt.

Die klassischen Medien Fotografie und Druck sind in ihrer Haltbarkeit seit Jahren gründlich untersucht worden [3]. Es gibt Normen und Vorschläge für ihre Aufbewahrung, und ihre vielfältigen Zerfallsmechanismen sind andernorts beschrieben [4]. Die Farbfotografie, ihre Bildqualität und ihre Beständigkeit sollen im weiteren als bekannt vorausgesetzt werden. Sie wird als Standard verwendet, gegen den die neuen Ausgabemedien verglichen werden sollen.

Analoge und digitale Ausdruckverfahren

Es gibt Ausdruckverfahren, die sowohl für analoge als auch für digitale Originale geeignet sind. Dazu gehören der Druck, die Fotografie und die Elektrofotografie (Fotokopie). Die Ausgabemedien und ihre Eigenschaften sind im analogen wie im digitalen Fall völlig gleich und haben die gleichen Archiveigenschaften.

Der Schritt vom analogen zum digitalen Original zeigt sich in den Ein- und Ausgabegeräten. Analoge Originale werden zuerst mit einem Scanner abgetastet, verarbeitet und schliesslich mit speziellen Belichtungsgeräten Punkt für Punkt wieder ausgegeben. Im Fall von Druckplatten kann dies ein Laser sein, der direkt die Druckplatte beschreibt, im Fall der Fotografie sind dies im allgemeinen drei Laser (blau, grün, rot), die den Film oder das Papier punktweise belichten. Die digitalen fotografischen und grafischen Ausgabegeräte sind sehr teuer. In der Fotografie finden sie zur Zeit nur im professionellen Bereich Anwendung.

Kleinere Geräte, die mit Hilfe einer Kathodenstrahlröhre z.B. Präsentationsdias erstellen, sind seit mehreren Jahren bekannt und für den Bürobereich oder Einzelbenutzer geeignet. Sie arbeiten meistens mit konventionellen Dia- oder Negativfilmen. Die Ausgabe direkt auf Fotopapier und im A4-Format ist nicht möglich.

Thermotransferdruck, Farbsublimationsdruck, Elektrografie und Tintenstrahldruck sind Verfahren, die auf digitale Dateneingabe angewiesen sind. Zur Charakterisierung eines Ausgabemediums können viele Kriterien herangezogen werden. So sind Wirtschaftlichkeit, Einfachheit der Benutzung, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit des Ausdrucks sicher entscheidend dafür, welche der heutigen Ausgabetechniken sich längerfristig durchsetzen werden. In Rahmen dieses Artikels soll darauf jedoch nicht eingegangen werden. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die für die Archivierung farbiger Dokumente und Bilder von Bedeutung sind.

Tabelle 1 fasst anhand von sechs Grundzügen die Charakteristiken der wesentlichen heute benutzten Farbausgabemedien zusammen:

Tab. 1: Charakteristiken (L = Licht; M = Mechanisch; F/W = Feuchte/Wärme). --> Text

Verfahren

Bildqualität

Träger

Farbmittel

Anwendung

Beständigkeit

Elektrofotografie
Transfer auf Oberfläche

nicht ganz fotoähnlich

(gestrichenes) Papier

C/M/Y = Pigmente
K = Graphit als Pulver

Drucke und Kopien
A3

L: > Farbfoto
M: < Farbfoto
(Oberflächenverl.)
F/W: > Farbfoto

Elektrografie
Transfer auf Oberfläche

nicht fotoähnlich, tiefe Auflösung

beschichtetes, elektrisch leitendes Papier

Pigmente in Flüssigkeit

Poster, Drucke
A0
Plotter

L: > Farbfoto
M: = Farbfoto
F/W: > Farbfoto

Thermotransfer
Transfer auf Oberfläche

nicht ganz fotoähnlich

beschichtete und unbeschichtete Papiere

Pigmente oder Farbstoffe in Wachs

A4-A0
Plotter

L: < Farbfoto
M: < Farbfoto
(Oberflächenverl.)
F/W: < Farbfoto
(Verlaufen)

Farbsublimation
Transfer in die Schicht

fotorealistisch

beschichtetes Spezialpapier

Farbstoffe auf Wachsband

A4/A3 fotorealistische Drucker, Videoprinter, Porträtbildsysteme

L: = Farbfoto
M: = Farbfoto
F/W: < Farbfoto
(Verlaufen)

Tintenstrahl (Flüssigtinte)
Transfer in die Schicht

mässig bis ganz fotorealistisch

beschichtete und unbeschichtete Papiere

Pigmente oder Farbstoffe in Wasser

A4-A0 Plotter, Drucker, Grossformate

L:
K z.T. > Farbfoto
CMY < Farbfoto
M: < Farbfoto
F/W: < Farbfoto
(Verlaufen)

Tintenstrahl (Wachs)
Transfer auf die Schicht

nicht ganz fotoähnlich bis fotorealistisch

(beschichtete und) unbeschichtete Papiere

Pigmente oder Farbstoffe in Wachs

A4-A0 Plotter, Drucker,Grossformate

L (CMY) < Farbfoto
M: < Farbfoto
(Oberflächenverl.)
F/W: < Farbfoto
(Verlaufen)

Elektrostatischer Druck

Bei diesem Verfahren wird ein leitendes Papier an den Stellen, an denen ein Punkt gedruckt werden soll, von einer Elektrode aufgeladen. Der farbige Toner, der in einer Flüssigkeit aufgeschwämmt ist, wird beim Vorbeiströmen an der geladenen Stelle gebunden. Das Papier wird also direkt bedruckt und nicht wie bei der Elektrofotografie im Transfer über eine fotoempfindliche Trommel.

Die Elektrografie bietet die beste Lichtbeständigkeit und die höchste Produktivität aller hier erwähnten Verfahren und wird für Aussenanwendungen eingesetzt (Plakate, Dekorationen etc.). Allerdings sind die Plotter sehr teuer (> 100.000 sFr.), die Bildqualität nicht ausreichend für kleine Formate (A4), und auch die Verbrauchsmaterialien kosten viel. Im Archivbereich für Dokumente wird dieses Verfahren keine Rolle spielen.

Elektrofotografie, Laserprinter (Fotokopie)

Ein kurzes Schema des Druckablaufs ist in Abbildung 1 zu sehen. Ein Laser oder LED belichtet die Bildinformation auf eine fotoempfindliche Trommel. An den belichteten Stellen wird das Farbmittel, Toner genannt, angelagert und beim Umgang der Trommel als ganze Seite auf das Papier übertragen, das um eine zweite Trommel bewegt wird. Im Farbdruck muss dieser Vorgang für jede Farbe wiederholt werden.

Abb. 1: Schema der Elektrofotografie. --> Text

Diese Technik gibt es sowohl für kleine Formate als auch für CAD-Plotter. Bei der Schwarzweiss-Fotokopie ist dieses Verfahren weltweit führend. Es arbeitet schnell, zuverlässig und mit recht niedrigen Verbrauchsmaterialkosten und zeichnet sich durch sehr gute Haltbarkeit aus, da der Schwarztoner aus Graphit besteht, also ähnlich stabil ist wie Tusche. Es kann Normalpapier verwendet werden. Eine Nachbehandlung mit Hitze oder UV-Licht im Kopierer sorgt dafür, dass Toner und Papier fest miteinander verbunden werden.

Diese Eigenschaften lassen sich nicht direkt auf eine farbige Ausgabe übertragen. Farbbilder unterscheiden sich von üblichen Schriftdokumenten nicht nur durch die Farbe, sondern meistens auch durch den Gesamtauftrag an Farbmittel. Bei einem typischen Textdokument sind 5% der Fläche mit Toner bedeckt, bei einem typischen Bild mindestens 50% und das häufig noch mit mehr als einer Farbe. Dies führt dazu, dass die Farbtoner bei der Nachbehandlung auf der Oberfläche zusammenschmelzen. Diese kompakte Schicht an der Oberfläche neigt unter Umwelteinflüssen zur Rissbildung und blättert bei mechanischer Belastung leicht ab [2]. Außerdem sind die Farbtoner (Pigmente) bei weitem nicht so lichtbeständig wie der Schwarztoner. Je nach Hersteller sind sie ähnlich beständig wie die Farbfotografie oder 3- bis 5mal weniger stabil [5].

Die Farblaserprinter haben sicher einen festen Platz im Büro der Zukunft. Die Aussichten sind gut, dass bei der richtigen Auswahl sehr archiv- und lichtbeständige Bilder gedruckt werden können, die jedoch mechanisch gegen Knick und Abrieb geschützt werden müssen.

Farbsublimation

Bei diesem Druckverfahren (Abb. 2) sind die Farbstoffe auf einer dünnen Polymerfolie aufgetragen. Diese Folie wird mit dem Druckkopf in sehr engen Kontakt gebracht. Soll ein farbiger Punkt erzeugt werden, wird der Druckkopf dort für kurze Zeit stark erhitzt (> 200 °C). Der Farbstoff verdampft und wandert in die Empfangsschicht hinein. Dieser Vorgang muss nacheinander für vier Farben wiederholt werden. Die Bildqualität ist völlig fotografisch, vor allem weil die Methode als einzige digitale Drucktechnik echte Halbtöne erzeugt. Je nach der Länge des Heizimpulses wandert mehr oder weniger Farbstoff in die Empfangsschicht.

Abb. 2: Schema der Farbsublimation. --> Text

Die Verbrauchsmaterialien sind recht teuer (Zweiblattprozess, Farbband und Empfangsschicht), und es gibt keine grossformatigen Drucker (> A2). Die Bilder sind mechanisch sehr robust, da die Farbstoffe in die Empfangsschicht eingedrungen sind. Anfängliche Probleme mit der Lichtbeständigkeit - besonders dort, wo das Bild mit den Händen berührt worden war - wurden von der Firma Kodak mit dem Auftrag einer zusätzlichen Protektionsschicht (5. Durchgang) behoben [6]. Die Feuchte- und Hitzebeständigkeit ist aber auch bei den besten Vertretern noch geringer als die der Farbfotografie. Schlechtere Beispiele können innerhalb weniger Monate bei 25 °C und leicht erhöhter relativer Feuchte (70%) so verlaufen, dass das Bild völlig unkenntlich wird. Die Farbstoffe selbst sind ausserordentlich hitzestabil, werden sie doch bei über 200 °C in die Empfangsschicht übertragen. Es ist die Fixierung dieser Farbstoffe gegen laterale Diffusion in der Schicht, die sich schwierig gestaltet.

Thermotransferdruck

Einst wegen der niedrigen Kosten des Druckers eines der beliebtesten Verfahren für Bürofarbdrucker, ist Thermotransfer inzwischen weit überflügelt worden von Tintenstrahl und anderen Technologien. Ähnlich wie beim Farbsublimationsdruck wird ein wachsbeschichtetes Farbband an einem Heizkopf vorbeigeführt. Durch das Heizen löst sich ein Wachsstückchen von der Grösse des Schreibkopfes vom Band und wird auf ein Empfangsblatt übertragen. Anders als bei der Farbsublimation dringt der Farbstoff nicht in die Schicht ein. Es handelt sich nicht um ein Raster-, sondern um ein Halbtonverfahren. Die Anforderungen an das Farbband und an die Empfangsschicht sind sehr viel geringer als bei der Farbsublimation. Was die Haltbarkeit angeht, so kann sich dieses Verfahren nicht mit den anderen messen. Die Lichtbeständigkeit ist im allgemeinen schlechter oder im besten Fall gleich der der Farbfotografie. Da die Wachsstückchen aber nur leicht an den Träger gebunden und mechnisch sehr weich sind, ist der Widerstand gegen Abrieb und Verletzung gering. Ausserdem schmelzen die Wachspartikel bei mässig warmen Bedingungen und verfliessen.

Tintenstrahl (Flüssigtinten)

Die Technik, die in den letzten Jahren alle anderen überflügelt hat betreffend die Anzahl verkaufter Drucker, die Anzahl neuer Produkte und die Aussichten auf Erfolg in der Zukunft, ist der Tintenstrahldruck. Flüssigtintenstrahldrucker sind die billigsten Drucker, mit denen man farbige Bilder und Dokumente ausgeben kann. Sie sind sparsam im Energieverbrauch, produzieren wenig Abfall, sind zuverlässig und einfach in der Konstruktion. Für nicht zu hohe Qualitätsansprüche kann man auf jedes Empfangspapier drucken, brillante Farbausdrucke brauchen jedoch beschichtetes Papier. Da sie etwas langsamer drucken als Laserdrucker, sind sie als Netzwerkdrucker weniger geeignet und werden daher dezentral am Arbeitsplatz, bei Homecomputern und als Kombinationsgeräte (Fax, Kopierer, Printer) eingesetzt. Die vier weltweit führenden Unternehmen in der Druckerbranche, HP, Canon, Epson und Xerox, setzen voll auf diese Technologie und investieren jährlich hohe Summen in deren Weiterentwicklung. Wegen seiner weiten Verbreitung und seiner Bedeutung für die Zukunft wird der Tintenstrahldruck hier ausführlicher beschrieben.

Es gibt mehrere Arten, auf die der Tintenstrahl gebildet werden kann. Die weitest verbreitete ist der thermisch erzeugte Tintenstrahl (Canon: Bubble Jet, HP: Thermal ink-jet). Winzige Tintenvorratsbehälter in den Druckerdüsen, die eine Austrittsöffnung von nur 20 Mikron Durchmesser haben, werden stark erhitzt. Der Teil der Tinte direkt an der Heizwindung verdampft, und die entstehende Blase schleudert ein Tintentröpfchen aus der Austrittsöffnung, das auf dem Papier einen Farbpunkt erzeugt. Die zweite Art, dieses Tröpfchen zu erzeugen, ist mit Hilfe des Piezoeffektes, bei dem ein Vorratsgefäss beim Anlegen einer Spannung zusammengedrückt wird und dabei ein Tröpfchen ausstösst (Epson-Drucker).

Eine Stärke der Tintenstrahltechnologie ist ihre Vielseitigkeit. Es gibt eine Unmenge von Tinten, auf wässriger oder auf Lösungsmittelbasis, mit Farbstoffen oder Pigmenten, die auf eine Vielzahl von Trägermaterialien gedruckt werden können: auf normale und beschichtete Papiere, Karton, polyethylenbeschichtete Papiere, Filme, Leinwand, Vellum, Vinyl, Stoff, ja sogar Leder und noch vieles mehr. Wegen der Vielzahl der Kombinationen Tinte/Medium ist es schwer, generelle Aussagen über die Haltbarkeit von Tintenstrahlbildern zu machen.

Ein zusätzliches Problem bei der Beurteilung der Medien ist, dass im Gegensatz zu Fotomaterialien, die in ihren Eigenschaften in Datenblättern beschrieben sind, deren Eigenschaften garantiert werden und bei denen jede wesentliche Änderung als solche gekennzeichnet ist, Tintenstrahlmaterialien in der gleichen Verpackung und Kennzeichnung von anderen Herstellern und anderer Zusammensetzung sein können. Dies gilt auch für Tinten. Produktzyklen von Druckern/Tinten/Trägern liegen im Bereich von sechs Monaten, was eine genaue Charakterisierung ebenfalls erschwert, da die Vielzahl der Produkte auf dem Markt unübersehbar ist.

Das Trägermedium beeinflusst die Haltbarkeit der Farbmittel sehr stark. Experimente mit HP-660-Druckertinten zeigten in einem Fall vollständige Zersetzung bei 5.000 kluxh (Kiloluxstunden), im Fall eines zweiten Trägermediums (gleiche Tinte/Drucker/Farbstoff) 10.000 kluxh, also einen Unterschied um 100%.

Tintenstrahl (Wachstinten)

Diese Technik wird hier separat behandelt, da sie einige wesentliche Eigenschaften hat, die sie von Flüssigtinten-Tintenstrahl unterscheidet. Die Druckköpfe sind ähnlich aufgebaut, aber die Tinten sind bei Raumtemperatur fest, d.h. Wachse. Sie werden zuerst geschmolzen. Das heisse Tröpfchen wird meist durch Verformung der Druckerdüse (Piezomechanismus) ausgestossen (Abb. 3). Beim Auftreffen auf den Träger wird es schlagartig fest. Da kein Wasser auf dem Träger trocknen muss, kann schneller als mit Flüssigtinten gedruckt werden. Allerdings sind die Drucker wesentlich teurer und werden mehrheitlich für professionelle Anwendungen, die Produktion von Displays, Poster und Proofing, eingesetzt.

Abb. 3: Schema des Tintenstrahldrucks mit Wachstinten. --> Text

Wachstinten sind vom Trägermaterial unabhängiger als Flüssigtinten. Sie dringen kaum in das Medium ein. Ähnlich wie beim Thermotransferdruck liegen die Farbpunkte daher auf der Oberfläche, sie sind jedoch häufig viel kleiner und liefern eine bessere Bildqualität, die im besten Fall an die der Flüssigtintendrucker heranreicht. Mit einer Drucknachbehandlung werden die Wachspunkte zusätzlich fixiert. Als Farbmittel dienen Pigmente oder Farbstoffe. Die Lichtstabilität ist ähnlich der von herkömmlichen Tintenstrahlmaterialien, aber wie beim Thermotransferdruck sind die Bilder empfindlich gegen Kratzer und Oberflächenverletzung und verlaufen unter dem Einfluss höherer Temperaturen.

Pigmente/Farbstoffe/Lösungsmittel und ihre ökologischen Aspekte

Farbstoffe sind chemische Substanzen, die einen Teil des sichtbaren Lichts absorbieren und daher farbig sind. Liegen sie als einzelne Moleküle vor, spricht man von Farbstofflösung; liegen sie als Agglomerat vieler Moleküle vor, von Pigmentsuspension (wie in Tusche). Der Unterschied zwischen Farbstofftinte und Pigmenttinte liegt also nicht in der chemischen Struktur, sondern in der Aufarbeitung. Da als Pigment meistens Stoffe eingesetzt werden, die nicht wasserlöslich sind, sind sie feuchtigkeitsbeständiger und diffundieren weniger.

Das häufig als Schwarzpigment eingesetzte Graphit ist gegen Umwelteinflüsse ausgesprochen stabil. Das hat dazu geführt, dass man Pigmente generell als sehr beständig ansieht. Dieses Urteil trifft für farbige Pigmente jedoch nur manchmal zu. Sehr stabile Farbpigmente, wie sie in Autolacken und Aussenanstrichen Verwendung finden, können wegen ihrer Toxizität und ihrer ökologischen Bedenklichkeit in Ausdruckverfahren nicht eingesetzt werden. Das Ziel der heutigen technischen Entwicklung ist es in erster Linie, keine schädlichen und biologisch schwer abbaubaren Substanzen in Umlauf zu bringen. Dieses Ziel widerspricht teilweise dem Bestreben, langlebige, d. h. schwer zersetzbare, Ausdruckmedien für die Archivierung zu entwickeln.

Alle neueren HP Bürodrucker (HP 1200, 660, 850, 1600) benutzen als schwarze Tinte Pigmentschwarz (Graphit) mit ausgezeichneten Archiveigenschaften. Ausser in Schwarz ist es bisher noch nicht gelungen, hohe Stabilität der Farbmittel mit ökologischer Unbedenklichkeit zu verbinden. Der Trend in der Entwicklung von Tintenstrahltinten geht jedoch in Richtung Pigmenttinten, und schon jetzt werden farbige Pigmenttinten für Spezialdrucker angeboten. Man muss sich jedoch darüber im klaren sein, dass die mechanische Verletzbarkeit von Bildern mit Pigmentfarben im allgemeinen höher ist als die von Bildern mit Flüssigtinten.

Alterungsvorhersagen

In Tabelle 2 sind die grob geschätzten Dunkelstabilitätseigenschaften verschiedener Ausgabetechnologien zusammengefasst. Die Extrapolation auf das wirkliche Alterungsverhalten ist problematisch. Die Verfahren sind zu jung, als dass Normallagerungsdaten zur Verfügung ständen. Die Abschätzungen wurden mit Techniken ermittelt, wie sie für die Alterungsvorhersagen in der fotografischen Industrie üblich sind, nach ISO 10977, die jedoch nur beschränkt anwendbar ist:

Verfahren

Farbstoff

Gesamtbild
(Farbe / sw)

Tab. 2: Gesamturteil der Dunkelbeständigkeit: Vergleich mit Foto (Skala: 5 = sehr gut, 4 = gut, 3 = befriedigend, 2 = schwach, 1 = sehr schwach). --> Text

Fotografie

3-5

4-5 (Verfärben) / 5

Druck

4-5

4-5 (Verfärben) / 5

Elektrofotografie

5

4 (Abblättern) / 5

Elektrografie

5

4-5 (Verfärben)

Thermotransfer

2-4

2 (Verlaufen)

Sublimation

3-5

2 (Verlaufen)

Wachstintenstrahl

2-5

1-2 (Verlaufen)

Flüssigtintelstrahl

2-5

2-3 (Verlaufen) / z.T. 5

Schlussfolgerungen

Eine sichere Alternative, deren Alterungsverhalten bekannt ist, ist die digitale Ausgabe auf Fotomaterial, am besten auf (Farb-)Mikrofilm.

Die Lagerbedingungen, die zur Archivierung von Fotomaterialien empfohlen werden, gelten auch für die neuen Techniken: kühl und trocken. Die Medien der neuen Technologien erfordern aber mehr Sorgfalt gegen mechanische Abnutzung und Abrieb.

Einige Technologien haben aller Voraussicht nach ein gutes Potential als Archivmedium der Zukunft. Es sind dies:

Bei der Entwicklung neuer Ausgabemedien ist die Archivbeständigkeit zwar ein beachteter Punkt, sie steht aber in ihrer Bedeutung hinter anderen Faktoren zurück. So ist ein Mussziel jeder Entwicklung heute, dass keine Stoffe in grossen Mengen in die Umwelt entlassen werden, die gesundheitsschädlich oder nicht biologisch abbaubar sind. Dies schliesst automatisch ein, dass sehr stabile Werkstoffe (Schwermetallpigmente, Lösungsmitteltinten etc.) nicht eingesetzt werden sollen. Ökologie und Archivierung stehen damit zum Teil im Widerspruch. Es gibt jedoch einige Substanzen, die ausgesprochen haltbar und gleichzeitig ungiftig und unbedenklich für die Umwelt sind (siehe Graphit, Tusche). Mit den bedeutenden Mitteln, die für die Entwicklung von Ausdruckmedien heute bereitgestellt werden, kann man hoffen, die beiden gegensätzlichen Anforderungen wieder zu vereinen.

Anmerkungen

[1] J. Rothenberg: Ensuring the Longevity of Digital Documents, Scientific American, January 1995, p. 24. --> Text
[2] F. Leclerc, F. Fiedler, M. Duhamel et al.: A study of Fotocopies stability with time, IS&T. Seventh Int. Congress on Advances in Non-Impact Printing Technologies, 1991, p. 428. --> Text
[3] Henry Wilhelm, The Permanence and Care of Color Photographs, Preservation Publishing Company, Grinnell, Iowa, 1993. --> Text
[4] R. Gschwind, F. Frey: Restoration of faded Color Photographs by digital image processing, IS&T, 46th Annual Conference, 1993, p. 281. --> Text
[5] S. Blaszak, E. Dalal, K. Natale, P. Swanton, IS&T. Tenth Int. Congress on Advances in Non-Impact Printing Technologies, 1994, p. 566. --> Text
[6] D. Harrison, M.C. Oldfield, IS&T. Tenth Int. Congress on Advances in Non-Impact Printing Technologies, 1994, p. 346. --> Text

Autorin

Rita Hofmann schloss ihr Studium in physikalischer Chemie an der Universität Göttingen ab und arbeitete als Postdoktorandin in Boulder, Colorado, auf dem Gebiet der physikalischen Chemie an Analytik mit Lasern. Sie ist heute bei Ilford in der Forschung und Entwicklung vor allem auf den Gebieten digitale Bildverarbeitung im Bereich Farbenfotografie, digitale fotografische Belichtungsgeräte, Farbmetrik und Testmethoden zur Entwicklung und Prüfung von Tintenstrahlmedien tätig. --> Text

 Aus: Rundbrief Fotografie, Sonderheft 3, S. 15-20 (auch in N.F. 12, S. 15*-20*).





© bei Autoren und Redaktion. Angaben ohne Gewähr. Stand: 11.12.1998. Online-Redakteur: Wolfgang Jaworek