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Das Erstellen von schriftlichen Dokumentationen mit dem Computer ist für viele Restauratoren bereits Alltag. Die Verwendung und Bearbeitung von digitalen Bildern wird ebenfalls immer häufiger Bestandteil von Dokumentationen, weil es einfache Möglichkeiten bietet, auf Beobachtungen oder Besonderheiten aufmerksam zu machen. Diese Möglichkeit soll im folgenden anhand von Beispielen vorgestellt werden. Doch zuerst wird einleitend auf das Zustandekommen der Bilder, auf unterschiedliche Arten der Digitalisierung sowie auf die Voraussetzungen für die Bearbeitung digitaler Bilder eingegangen.
Einer Restaurierung gehen im Normalfall detaillierte Untersuchungen voraus, die über den Zustand des betreffenden Objektes Aufschluss geben sollen. Die Befunde bestimmen weitgehend das Vorgehen bei der Konservierung und der Restaurierung. Solche Befunde werden auch im Bild festgehalten, aus welchem folgende Produkte hervorgehen können:
Fotonegative, Diapositive und Vergrösserungen jeglicher Art werden im Scanner abgetastet und digital im Rechner gespeichert. Die so gespeicherten Bilder können nun auf andere Speichermedien übertragen werden, zum Beispiel auf Photo-CD, Disketten, Data Tape, Optical Disc usw. Bei der Digitalfotokamera und bei Videoaufnahmen besteht bereits ein digitalisiertes Bild, welches jedoch nicht direkt weiterverarbeitet werden kann. Dazu werden sowohl eine spezielle Software als auch Steckkarten benötigt, die im PC eingebaut werden müssen.
Es braucht einen leistungsstarken PC (DOS/Windows oder Mac) mit mindestens 16 MB Arbeitsspeicher (eher mehr), SVGA-Karte und Analogmonitor ab 17" sowie ein CD-Laufwerk und eine mindestens 1-GB-Harddisk; für die Verarbeitung von Videosignalen ist eine entsprechende Steckkarte erforderlich.
Für die Bearbeitung von digitalen Bildern wird ein Grafikprogramm benötigt, womit sowohl Pixel- wie auch Vektorgrafik bearbeitet werden kann. Das Angebot von Grafiksoftware ist gross. Es lohnt sich, die Vor- und Nachteile der einzelnen Programme beim Händler zu erfragen. Für Videosignale wird ein spezielles Schnittprogramm benötigt. Zu den Digitalfotokameras werden die entsprechende Karte und die Software mitgeliefert.
Als interessantes Beispiel bietet sich ein Objekt in der Altstadt von Bern an, welches zur Zeit eine Gesamtsanierung erfährt. In diesem Zusammenhang erhielten wir den Auftrag, einige Bereiche (gefasste Cheminées, gefasste Brüstungsgitter, Cheminée-Abdeckungen und Wandmalereien) auf ihre Farbigkeit hin zu untersuchen. Zuerst wurden die einzelnen Bereiche fotografiert und die bereits im Computer vorhandenen Standard-Schichtenblätter den Gegebenheiten angepasst. Die entwickelten Negative bzw. Diapositive sind direkt im Labor digitalisiert und auf Photo-CD gespeichert worden. Die so entstandenen digitalen Bilder können nun in die Schichtenblätter unbearbeitet oder, wie im vorliegenden Fall, zuerst noch umgezeichnet, gescannt und als Strichzeichnung integriert werden (Abb. 1 und 2).
Abb.1: Ausgefülltes Schichtenblatt mit der
integrierten Strichzeichnung. ->
Text Abb. 2: Wie Abb. 1, jedoch mit integrierten digitalen
Bildern. -> Text
Nach diesen Vorbereitungen wird die eigentliche Untersuchung am Objekt vorgenommen, und die erhaltenen Befunde können in die ausgedruckten Schichtenblätter eingetragen werden. Die Farbbefunde werden nach dem NCS-Farbsystem ermittelt und festgehalten. Die Möglichkeit, die Farbbefunde farblich in der Dokumentation festzuhalten, kann mit Farbstiften, Aquarell usw. geschehen oder, wie in unserem Fall, durch Füllen" der Rechtecke im digitalen Schichtenblatt mit dem entsprechenden NCS-Farbton aus der eigens zu diesem Zweck erstellten Palette des Grafikprogramms. Neben dieser Verwendung der digitalen Bilder kann auch auf Besonderheiten hingewiesen werden (Abb. 3).
Eine Holzdecke aus dem 16. Jh. weist eine Bearbeitung auf, die seit einigen Jahren in Restauratoren- und Kunsthistorikerkreisen Rätsel aufgibt. Es handelt sich um gleichmässig eingedrückte oder gezogene Streifen an der Holzoberfläche [1]. Anhand von Grafik (genaue Nachzeichnung der Werkzeugspur) und Bild wird dieser Zustand in der Dokumentation aufgezeigt und festgehalten. Zuletzt werden alle Aufnahmen, chronologisch geordnet, ein weiteres Mal am Schluss der Dokumentation verwendet (Abb. 4). Dort werden die einzelnen Aufnahmen noch mit Legenden versehen, die Aufschluss über Standort, Zweck und Fortschritt der Restaurierung geben sollen.
Abb. 3: Die auf Photo-CD gespeicherten Bilder finden
auch Verwendung,wenn auf Besonderheiten hingewiesen werden
soll. Mit diesem Blatt wurde auf eine Werkzeugspur
aufmerksam gemacht, welche an einer Holzdecke verwendet
wurde. Die zum Bild ergänzte Zeichnung zeigt die
grafische Darstellung der Werkzeugspur im Maßstab 1:1.
-> Text Abb. 4: Im Anhang jeder Dokumentation werden die
gesamten Fotoaufnahmen, wie sie im Film vorhanden sind,
aufgeführt und mit den nötigen Legenden versehen.
-> Text
Das gleiche Objekt weist ein weiteres Beispiel auf, welches hier vorgestellt werden soll. Es handelt sich dabei um vier Cheminée-Abdeckungen, die in den Wirkungsbereich von Restauratoren für Schriftgut und Grafik gehören. Eine dieser Abdeckungen sei hier kurz beschrieben: Auf einen Holzrahmen der Grösse 102 x 85,7 cm wurde ein grobmaschiges Gewebe gespannt, welches den später applizierten Papiertapeten und zuletzt einer Lithografie als Träger dient (Abb. 5). Folgeschäden aus dem Gegeneinanderwirken der zwei Materialien, Gewebe und Papier, und der Zeitgeschmack waren vermutlich die Gründe dafür, dass immer wieder neue dekorative Papiere über die alten geklebt wurden. So entstand das Schichtenpaket, wie wir es heute vorfinden. Die letzte Veränderung muss um die Jahrhundertwende geschehen sein, denn auf einen Hintergrund mit Holzimitationsdecor wurde ins Zentrum eine mit 1905 datierte Lithografie geklebt. Diese Lithografie zeigt eine Szene, die vermutlich im 17. Jh. spielt.
Zusammen mit der Fachklasse für Konservierung und Restaurierung von Schriftgut und Grafik an der Schule für Gestaltung in Bern wurden das Konzept und die Kosten für eine Restaurierung der stark beschädigten und fragilen Abdeckungen erarbeitet. Die ausgearbeiteten Massnahmen für eine Konservierung und Restaurierung und die daraus resultierenden Kosten sprengten den Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, was uns veranlasste, eine kostengünstigere Lösung zu finden. Diese sollte es aber trotzdem erlauben, die Abdeckungen wieder am alten Ort zu verwenden (Auflage der Denkmalpflege). Bemerkt sei jedoch, dass nach Meinung der Restauratoren für Schriftgut und Grafik die originalen Abdeckungen aus konservatorischen Gründen nicht mehr ihrem ursprünglichen Verwendungszweck dienen sollen. Trotzdem soll hier, im Bewusstsein der oben genannten Auflagen und Bedenken, ein Versuch vorgestellt werden.
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Abdeckungen in jedem Fall konserviert werden müssen, das heisst, dass lose Stellen und abgefallene Fragmente wieder befestigt werden. Die so konservierte Abdeckung weist immer noch Fehlstellen auf, die uns aber am Original nicht weiter beschäftigen sollen. Dieser Zustand soll nun fotografisch festgehalten und das Negativ auf Photo-CD gespeichert werden. Die störenden Fehlstellen können nun bearbeitet werden. Das Bildbearbeitungsprogramm bietet die Möglichkeit, die Fehlstellen mit einem geeigneten Umgebungsfarbton zu retuschieren. Die das Gesamtbild dominierenden Fehlstellen werden durch einheitlich gefärbte Flächen beruhigt" (Abb. 6 und 7). Die Massnahme der Neutralretusche gründet in der Tatsache, dass es uns schwer fällt, technisch wie ethisch, uns mit Ergänzungen zu beschäftigen.
Abb. 5: Gesamtaufnahme der Cheminée-Abdeckung
(Foto: A. Bülow, FKR, Abt. Schriftgut und Grafik,
Bern). -> Text Abb. 6: Unbearbeiteter Ausschnitt der beschriebenen
Abdeckung. -> Text Abb. 7: Der gleiche Ausschnitt retuschiert. Zum
Retuschieren der Fehlstellen wurde im Umfeld der Fehlstellen
ein Mittelton gewählt. Es sollen aber nur die Bereiche
retuschiert werden, die das Gesamtbild stören.
-> Text
Das retuschierte Bild kann nun durch eine Reproanstalt im Massstab 1:1 (102 x 85,7 cm) in verschiedenen Qualitäten ausgedruckt werden (hier sei auf die weiteren Referate hingewiesen). Für unseren Versuch wählten wir die Tintenstrahldrucktechnik. Der so entstandene Druck wird mit geeigneten Klebstoffen auf ein Gewebe (z.B. Glasfaser oder ähnliches) geklebt und über die konservierte Abdeckung gespannt.
Die Frage nach der Haltbarkeit solcher Ausdrucke hängt von verschiedenen Faktoren ab. Direktes Sonnenlicht und erhöhte relative Luftfeuchtigkeit wirken sich negativ auf die Haltbarkeit aus. Um dem Ausbleichen etwas entgegenzuwirken, können solche Drucke mit UV-Schutzfolien (Glanz oder Matt) überzogen werden, und die Farben erhalten zusätzlich mehr Tiefe und Brillanz. Es muss jedoch geprüft werden, wie weit diese Folien ästhetisch auch vertretbar sind. Ebenfalls müsste geprüft werden, ob nicht Firnisse für diese Zwecke eingesetzt werden könnten.
Zum nächsten Beispiel. Ende letzten Jahres fand die kantonale Denkmalpflege Bern ein S/W-Negativ, auf welchem eine als verschollen geltende Stubentüre abgebildet ist (Abb. 8). Das Verschwinden dieser Türe stellt einen grossen Verlust dar, da die Malereien darauf im direkten Zusammenhang mit den übrigen Darstellungen an den Wandpartien der Bauernstube stehen. Im Zuge einer Restaurierung soll nun eine neue Türe gefertigt werden. Es wurde deshalb der Auftrag erteilt, festzustellen, welche vertretbare Möglichkeit bestehen würde, die auf der abgebildeten Türe befindlichen Darstellungen auf die neue Türe zu übertragen. Nach Prüfung einiger Methoden (Aufkleben von Vergrösserungen, Malen in S/W-Technik [Grisaille] usw.) erwies sich die Siebdrucktechnik immer mehr als die beste. Somit wurde die Vergrösserung im Scanner mit hoher Auflösung digitalisiert, retuschiert und in einer Reproanstalt belichtet. Um schliesslich das Bild drucken zu können, muss das Bild gerastert werden. Es wurde mit verschiedenen Rastergrössen belichtet (Abb. 9). Mit dieser Technik kann auf unterschiedliche Oberflächen gedruckt werden, sie müssen aber relativ" flach sein. Die Option, den Druck auf eine profilierte gestossene" Türe oder die Profile auf eine flache Türe mitzudrucken, bleibt uns dabei offen.
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Abb. 8: Aufnahme der als verschollen geltenden Zimmertüre (Foto: Kant. Denkmalpflege Bern, Nachlass von Chr. Rubi, ehem. Leiter der Stelle für Bauern- und Dorfkultur). -> Text |
Abb. 9: Gerasterter Auschnitt aus Abb. 8. -> Text |
Die letzten beiden Beispiele sind Ausnahmen und fallen eigentlich in den Bereich der grafischen Industrie. Sie hat die Möglichkeiten, hoch aufgelöste Bilder zu verarbeiten und grosse Formate (auch preiswert) auszudrucken. Für Arbeiten, wie sie am ersten Beispiel gezeigt wurden, erweist der Computer mit den bereits erwähnten Anforderungen gute Dienste. Es soll hier aber kein Standard gesetzt werden, denn die Anschaffung dieses Werkzeuges kann ziemlich kostspielig werden, und zudem ändern sich die Anforderungen der aktuellen Software laufend.
Grenzen sind ebenfalls gesetzt durch die Ethik. Mit gutem Grund kann die Frage gestellt werden, ob es zwingend ist, eine nicht mehr vorhandene Türe, wie oben beschrieben, wieder in gleicher Art herzustellen und mit der Malerei, wie immer sie auch auf die Türe appliziert wird, zu ergänzen. Oder sollen die Cheminée-Abdeckungen versteckt" werden? Die Antwort wird subjektiv ausfallen und muss mit allen Beteiligten erarbeitet werden. Wichtig ist, dass in jedem Fall dokumentiert wird und die Objekte durch die Massnahmen nicht weiter Schaden nehmen.
[1] Restauro, Zeitschrift für Kunsttechniken, Restaurierung und Museumsfragen, 6/1991, S. 375, Verlag Georg D. W. Callwey, München. -> Text
Bernhard Maurer, dipl. Restaurator HFG, ist einer der ersten Absolventen des Studiengangs für Konservierung und Restaurierung von Gemälden, Skulpturen und Wandmalerei an der Schule für Gestaltung in Bern. Er ist selbständig als Restaurator für Wandmalerei im Raum Bern tätig und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Einsatz digitaler Bilder in der restauratorischen Dokumentation. -> Text
Aus: Rundbrief Fotografie, Sonderheft 3, S. 1-4 (auch in N.F. 11, S. 1*-4*).
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