Sonja Feßel

FOTOGRAFIEN BEWERTEN

Zum Workshop „Was bleibt vom Massenphänomen Fotografie?
Auswahl – Abwehr – Akquise“, Köln, 10.–12. Oktober 2018

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Obgleich mit der Erfindung des Negativ-Positiv-Verfahrens die Fotografie alsbald potenziell endlos, in jedem Fall massenhaft reproduzierbar wurde, sind bestimmte Objekte dennoch äußerst selten in Sammlungen vertreten. Dazu gehören Salzpapiere – in noch stärkerem Maße Salzpapiernegative –, Beispiele der Mieth’schen Dreifarbenfotografie, Autochrome, aber auch ‚Randerscheinungen‘ wie Automatenfotos oder Geh-Film-Aufnahmen [1]. Fotografien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bekommen Archive und fotografische Sammlungen heute eher selten angeboten. Anders sieht es mit Kleinbilddia-Beständen aus, die nicht nur von Diatheken, sondern auch von reisefreudigen Laien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts umfangreich – Mengen von 30 000 bis 50 000 Aufnahmen sind keine Seltenheit – aufgebaut wurden. Das preisgünstige Equipment und die leichte Handhabung haben ihren Teil zur weiten und zahlreichen Verbreitung beigesteuert. Ausgelöst wurde die Flut der derzeit in großen Mengen abzugebenden Kleinbilddias nicht allein durch den medialen Wandel hin zur Digitalfotografie, sondern sie ist zugleich Ausdruck des sich zunehmend vollziehenden Generationswechsels. Hinterbliebene Angehörige suchen nach einem Aufbewahrungsort für Nachlässe und vor allem einer Alternative zum Altglascontainer beziehungsweise zur schwarzen Tonne. „Dem Wegwerfen oder gar Zerstören von Bildern“, so Valentin Groebner und Thomas Steinfeld in dem von ihnen herausgegebenen aktuellen Heft Kann man das wegwerfen? Fotografie, Gedächtnis,Ökonomie der Zeitschrift Fotogeschichte, „scheint etwas prinzipiell Pietätloses, Grausames zugehören [sic!] – weshalb fast alle Menschen zumindest zögern, wenn sie Fotografien ‚ausmisten‘.“ [2] Die Digitalfotografie – und hier insbesondere auch die Smartphone-Technologie sowie die sozialen Netzwerke – hat die massenhafte Produktion und Verfügbarkeit von Fotografien exponentiell verschärft. Eindrücklich dargestellt und erfahrbar gemacht hat die Menge an Fotografien, die heute innerhalb von nur 24 Stunden online verfügbar werden, der niederländische Künstler Erik Kessels (*1966) (Abb. 1). Aber das damit immer stärker hervortretende Thema der Selektion betrifft nicht nur Laien-Bestände und Gebrauchsfotografie, sondern auch die Übernahme von Firmenarchiven, deren analoge Bildbestände im digitalen Zeitalter keine unmittelbare Nutzung mehr erfahren, sowie die Œuvres professioneller Fotografen, deren Nachlässe nicht selten um die 150 000 Aufnahmen – meist unterschiedlicher Materialität – umfassen, oder mit Fotografien arbeitender Künstlerinnen und Künstler. Die erste Ebene der Selektion findet nicht innerhalb eines Bestandes, sondern bereits mit der Entscheidung für oder gegen die Übernahme eines Konvoluts statt. Nicht nur museale Sammlungen, sondern auch kommunale oder staatliche Archive spezialisieren sich zunehmend, womit jedoch auch eine Kanonisierung der Bilder betrieben wird und die Frage nach dem, was nicht gesammelt wird, immer mehr ins Zentrum rückt.


„Insgesamt vier Fallbeispiele
gaben Einblicke in die Praxis.“


Eine Möglichkeit zum fachlichen Austausch über Sammlungsstrategien, über die Bewertung und Selektion von Fotografien bot der Workshop „Was bleibt vom Massenphänomen Fotografie? Auswahl – Abwehr – Akquise“, der im Oktober 2018 von der Museumsakademie Universalmuseum Joanneum (Graz) in Kooperation mit dem Rheinischen Bildarchiv (RBA) und dem Historischen Archiv in Köln veranstaltet wurde [3]. Konzipiert wurde er von Nora Mathys (seit August 2018 Musée de l’Elysée, Lausanne), die sich 2009 als Projektverantwortliche mit der Forderung nach einer Reduktion des Fotobestandes des Ringier Bildarchivs um 80 % konfrontiert sah. So war es auch Mathys, die – nach den üblichen Begrüßungsworten – mit einem ersten Beitrag in die Thematik einführte. Mit „Über Bewertung sprechen – ein Tabu brechen?“ bot sie zunächst einen Überblick über den Diskurs der vergangenen Jahre und den aktuellen Stand der Dinge. So publizierte auch die Fotogeschichte in ihrer oben genannten jüngsten Ausgabe Beiträge zweier im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 in Luzern ausgerichteter Tagungen [4]. Die Anfänge der Diskussion lägen jedoch in den 1980er Jahren. 1985 erschienen die Ergebnisse einer durch die UNESCO beauftragten Studie von William H. Leary über den archivischen Wert von Fotografien (die künstlerische Fotografie wurde explizit ausgeklammert), die auch eine Handreichung zur Bewertung von Fotografien beinhaltet [5]. Leary bemerkt dort in seiner Einleitung: „Appraisal is undoubtedly the most complex and intimidating archival responsibility. Not surprisingly, it is also one of the most controversial subjects in the professional literature.“ [6] Als noch immer kontrovers betrachtet schätzt Mathys die heutige Situation ein, obgleich die Themen der Bewertung und Selektion und gar der Deakzession seit der Jahrtausendwende vermehrt diskutiert werden, und dies nicht nur allgemein in musealen Kontexten, sondern auch explizit in Bezug auf die Fotografie [7]. Sie selbst war 2012 an der Ausrichtung einer Tagung in Aarau beteiligt, aus welcher derSammelband Über den Wert der Fotografie. Wissenschaftliche Kriterien für die Bewahrung von Fotosammlungen (2013) hervorgegangen ist [8]. Teil der Kontroverse sind die unterschiedlichen Ansätze von Archiven und Museen. Während Archivarinnen und Archivare – nach wie vor überwiegend vom Bild als Dokument ausgehend – die Selektion und aktive Eingrenzung der Überlieferung als Tugend beziehungsweise als Kernaufgabe betrachten, achten Sammlungsleitende musealer Institutionen sehr viel stärker auf den Œuvre-Charakter eines Nachlasses und die individuelle Materialität beziehungsweise Originalität eines jeden Derivats. Zugleich berücksichtigen sie mit dem möglichst vollständigen Erhalt größerer Konvolute die sich stets wandelnden, nur schwer antizipierbaren Forschungsfragen der Zukunft.


SAMMLUNGSSTRATEGIEN UND AKQUISEKONZEPTE

Auf diese Einführung folgte die Arbeit in Gruppen, in denen unter Berücksichtigung der jeweils eigenen Erfahrungen und institutionellen Praxen allgemeine Vorgehensweisen, Ansätze und Problematiken diskutiert und herausgearbeitet wurden. Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum vorgestellt und weiter vertieft. Es bildeten sich Gruppen zu drei Themen: „Akquise / Sammlungspolitik“, „Bestandsbewertung /

-erhaltung“ und „Digitalisierung“. Dass die Akquise – und auch das Ablehnen von Beständen – in direktem Zusammenhang mit der Sammlungspolitik des jeweiligen Hauses steht, ist zwar naheliegend, schriftlich ausformulierte Sammlungskonzepte sind jedoch nicht selbstverständlich. Gleichwohl orientiert sich die Akquise von Beständen weitestgehend an der Sammlungsstrategie einer Institution. Wie von der Themengruppe erarbeitet, sollte oder kann ein Akquisekonzept im Wesentlichen die folgenden Aspekte berücksichtigen:

  • thematische / inhaltliche Aspekte; Schwerpunkte einer Sammlung; auch zeitliche Aspekte
  • Provenienz (z. B. Ortsbezug oder Bedeutung eines Bestandsbildners)
  • Relevanz für die vorhandene Sammlung, die vorhandenen Bestände (Ergänzung, Doppelung); ggf. auch in Hinblick auf ‚benachbarte‘ Bestände / Institutionen
  • Singularität
  • technische Aspekte, Materialität
  • konservatorische Aspekte
  • rechtliche Aspekte
  • Kosten (Ankauf wie auch Folgekosten)

Es zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Gruppe die formulierten Kriterien sowohl für eine aktive als auch für eine passive Akquise als angemessen erachteten. Zudem unterscheide sich die Akquise von analogen Fotografien vom Erwerb digitaler Aufnahmen. Eventuell kommen hier jedoch noch Mindestanforderungen an die technische Qualität hinzu.


Rechtliche Aspekte Eine zweite Gruppe tauschte sich über die rechtlichen Aspekte betreffend die Verwahrung, Nutzbarkeit und Zugänglichmachung von Fotografien aus. Gesprochen wurde einerseits über die Persönlichkeitsrechte der Dargestellten, andererseits über die in enger Verbindung zum Urheberrecht stehenden Nutzungs- und auch Verwertungsrechte. Einigkeit herrschte über die Notwendigkeit, Rechte – wann immer möglich – bei der Akquise vertraglich zu klären. Für Altbestände ist dies jedoch häufig nachträglich nicht mehr möglich. In der Diskussion zeigte sich, dass insbesondere kommunale und staatliche Archive ungeklärte Rechte als wesentliches Ausschlusskriterium für die Übernahme von Beständen betrachten. Museale Sammlungen zeigten sich im Umgang mit Fotografien, deren Urheber beziehungsweise Rechtenachfolger nicht auszumachen sind, etwas flexibler. Hier wird beispielsweise der ästhetische Wert – und damit der Erhalt – des Bildes höher als die lückenlose rechtliche Klärung eingestuft.


Digitalisierung

Hinsichtlich der Auswahl von Fotografien zur Digitalisierung wurde zunächst auf die Vielzahl der unterschiedlichen Erscheinungsformen – Negative, Vintage Prints, moderne Abzüge et cetera – aufmerksam gemacht, für die alle eine Digitalisierung in Betracht kommt und nicht nur aus Sicht der Foto-Forschung auch wünschenswert wäre. Dabei stellte sich die Frage, ob Negative nicht auch als solche gezeigt werden sollten (mit Rand und ohne Invertierung). In Bezug auf die großen Mengen wurde auf eine mögliche Priorisierung verwiesen, die insbesondere auch den konservatorischen Zustand eines Bestandes berücksichtigen müsse (Stichwort Schutzdigitalisierung). Als grundsätzlich problematisch wurden die häufig für Fotografien nur unzureichend eingerichteten Datenbanken diskutiert, die keine Unterscheidung zwischen abgebildetem Motiv und fotografischem Objekt ermöglichten. Aber auch hinsichtlich der Nutzung von Thesauri bestehe noch Verbesserungspotenzial.


Fallbeispiele

Insgesamt vier Fallbeispiele gaben Einblicke in die Praxis. Nora Mathys machte den Auftakt mit der Darlegung ihres Vorgehens bei der Übernahme des etwa 7 Millionen Fotos umfassenden Ringier Bildarchivs durch das Staatsarchiv Aargau 2009 [9]. Bei der Übernahme wurde ausdrücklich eine Reduktion des Bestandes im Sinne einer „inhaltlichen Verdichtung“ gewünscht. Hierfür wurde der Bestand zunächst analysiert und eine Bewertungsgrundlage zum Erhalt beziehungsweise zur Kassation erarbeitet. Mathys entwickelte hierfür ein fünfstufiges Verfahren, das auf der Ebene eines jeden (Teil-)Bestandes weitere Bewertungskriterien beachtet, die technischen, bestandsspezifischen, inhaltlichen sowie Kriterien der Informationsdichte und des ökonomischen Werts folgen [10]. Anhand der erarbeiteten Kriterien wurden circa 20 % des Bestandes kassiert. Weitere 12 % wurden als „kritisch“ eingestuft, jedoch nicht kassiert. Die kassierten Aufnahmen wurden summarisch auf den Reportage-Taschen vermerkt und damit dokumentiert.

Johanna Gummlich (Leiterin, RBA) stellte am zweiten Workshop-Tag das Rheinische Bildarchiv – dessen Besuch am Vortag möglich war – als „Fotodienstleister für fotografische Sachaufnahmen von Kunst in Köln“ und die dort praktizierten Strategien der Bestandserweiterung vor [11]. Ein Schwerpunkt ihrer Darstellung lag auf den Herausforderungen, aber auch Chancen, die Schenkungen mit sich brächten. Als Kriterien für die Bestandserweiterung des RBA nannte Gummlich die folgenden fünf Punkte:

  1. Bezug zur Stadt Köln
  2. Bezug zum Sammlungsbestand des RBA
  3. Umsetzbarkeit der öffentlichen Verfügbarmachung
  4. fotografische Qualität
  5. konservatorischer Zustand / Gefährdungspotenzial für Archivbestand


„Nicht nur für die Anbieter seien qualifizierte
Absagen, die auf sachlich nachvollziehbaren
Kriterien basierten, von großer Bedeutung.“


Letzteres bezog Gummlich sowohl auf biologische Schädlinge (Schimmel) als auch auf Ausdünstungen, die von schadhaftem Fotomaterial ausgehen können (Zellulosenitrat, Acetatfilm mit Essig[säure]-Syndrom). Als Beispiel einer gelungenen Schenkung stellte sie den Bestand des Kölner Fotografen Peter H. Fürst (1939–2018) vor, der zwischen 2002 und 2014 an das RBA überging [12]. Obgleich das Rheinische Bildarchiv die Übernahme von Vorlässen, die einen engen Austausch mit dem Bestandsbildner ermöglicht, besonders schätze, verwies Gummlich auch auf die emotionalen Herausforderungen, die die Betreuung eines Schenkers bei schwerer Krankheit oder gar in der letzten Lebensphase mit sich brächten. Als emotional anstrengend stellten sich jedoch mitunter auch die Ablehnungen fotografischer Bestände dar. Nicht nur für die Anbieter seien qualifizierte Absagen, die auf sachlich nachvollziehbaren Kriterien basierten, von großer Bedeutung. Im besten Fall sei aber der Verweis auf eine andere Institution möglich, in deren Sammlungsbestände das angebotene Konvolut passe. Gummlich verwies hier auf das Netzwerk Fotoarchive, das seit 2017 von der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) fortgeführt wird [13].

Unter dem Titel „Interessant, aber kaputt? Kriterien für die Übernahme von Fotobeständen“ stellten Ulrich Fischer (Stellvertretender Leiter) und Nadine Thiel (Leiterin der Bestandserhaltung) die Zusammenarbeit von Archivaren und Fotorestauratoren bei der Akquise fotografischer Bestände am Historischen Archiv der Stadt Köln vor [14]. Ulrich Fischer verwies hinsichtlich der Grundlage der „archivischen Bewertung“ auf das Archivgesetz Nordrhein-Westfalens und erläuterte dann die vom Historischen Archiv angewandten „Kriterien der Archivwürdigkeit“ zur Erfüllung des Auftrags der Dokumentation des Verwaltungshandelns sowie des Sammelns von „Ergänzungsüberlieferungen“:

  • Ortsbezug Köln (Lebenswelt / Lebenswirklichkeit, Gesellschaft, Wirtschaft, Lebensart, Brauchtum, Persönlichkeiten, Stadtentwicklung und Bebauung, Kulturschaffen
  • und Medien)
  • Bewertung nach Qualität
  • Übernahme im Verbund
  • Übernahme in den Überlieferungszusammenhang
  • niederschwellige Nutzbarkeit und Einbindung in Crowd-Projekt
  • Ordnungszustand
  • Möglichkeit der Bewertung
  • geklärte rechtliche Situation

Dass bei der Übernahme fotografischer Bestände auch deren Zustand berücksichtigt wird, zeigte anschließend Nadine Thiel, die nicht nur typische Schadensbilder präsentierte, sondern insbesondere die damit in Verbindung stehenden Kosten für notwendige Restaurierungsmaßnahmen erläuterte.

Das letzte Fallbeispiel wurde von Matthias Meusch anhand des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen dargelegt, das sowohl Bilder aus amtlicher (staatliche Behörden und Dienststellen) als auch aus nicht-amtlicher Provenienz (Fotografennachlässe, sonstige Nachlässe, Parteien / Verbände / Vereine, Firmen) übernimmt und verwahrt. Meusch machte deutlich, dass die Bewertung und Auswahl für analoge wie auch digitale Bilder für das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen unverzichtbar sei. Anhand ausgewählter Beispiele zeigte Meusch auf, dass die eingehenden Foto-Konvolute – mittlerweile in der Regel in Form von Digitalaufnahmen – nicht selten zwischen 7 000 und 25 000 Dateien umfassen. Der ins Archiv übernommene Anteil belaufe sich dabei auf circa 30 %. Im Mittelpunkt stehe der dokumentarische Wert des Fotos, sodass bekannt sein müsse, was oder wer auf dem Foto zu sehen sei und wann und warum die Aufnahme gemacht wurde. Entscheidend sei jeweils die Bedeutung des zu dokumentierenden Ereignisses oder Inhalts.


Fortsetzung erwünscht!

Der Beitrag von Meusch, der eine sehr starke Verdichtung und damit eine ausgeprägte Kassationspraxis darlegte, verdeutlichte die große Diskrepanz zu den Anliegen musealer Sammlungen, insbesondere der Kunst- und Fotomuseen. Leider kam diese Perspektive während des Workshops deutlich zu kurz: Wichtig wären Beiträge zum Aspekt der Autorenfotografie und zum Umgang mit großen fotografischen, insbesondere auch künstlerischen Nachlässen gewesen. Hier hätte man sich vom Beitrag von Jens Bove (Deutsche Fotothek, Dresden), der seine Teilnahme kurzfristig absagte, eine wichtige Ergänzung erhoffen können. Grundsätzlich wäre ein Wortbeitrag einer Kuratorin oder eines Kurators einer künstlerisch ausgerichteten Fotosammlung wünschenswert gewesen. Diese Leerstelle konnte auch in den moderierten Diskussionen nicht aufgefangen werden.

Im Vordergrund des Workshops standen die praktischen Probleme und Herausforderungen bei der Übernahme und der damit verbundenen Bewertung von fotografischen Beständen. Die Veranstaltung ermöglichte den Teilnehmenden einen konstruktiven und fruchtbaren Austausch, dessen Fokussierung auf die Auswahlkriterien nach zwei Tagen zumindest bei der Verfasserin zur Frage führte: Was bleibt bei der Vielzahl der Fotografien verwahrenden Institutionen aufgrund ihrer spezifischen Sammlungskonzepte alles auf der Strecke? Welche Fotos werden nicht gesammelt? Was findet keinen Eingang in die Gedächtnisinstitutionen? Eine Fortsetzung des Dialogs wäre absolut wünschenswert.


Anmerkungen

[1] Zu Geh-Film-Aufnahmen und Automatenfotos vgl. Christina Natlacen: „ ‚Jeder sein eigener Filmstar‘ – Private Fotografien als Spiegel öffentlicher Schauspielerporträts im Berlin der späten 1920er Jahre“, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 22 (2015), No. 1, N.F. 85, S. 16–25.

[2] Valentin Groebner und Thomas Steinfeld: „Kann man das wegwerfen? [Editorial]“, in: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Vol. 38 (2018), No. 149, S. 3.

[3] Zu dem Workshop, dem Programm und den Referentinnen und Referenten vgl. <https://www.museumjoanneum.at/fileadmin//user_uplo...> (zuletzt eingesehen am 16.10.2018).

[4] Kann man das wegwerfen? Fotografie, Gedächtnis, Ökonomie, 24./25. September 2015, und Der kostbare Augenblick. Massenfotos, Ökonomie und das Versprechen der Dauer, 12./13. Mai 2016, beides Universität Luzern.

[5] William H. Leary: The Archival Appraisal of Photographs: A RAMP Study with Guidelines, Paris: UNESCO 1985, online einsehbar unter <http://unesdoc.unesco.org/images/0006/000637/06374...> (zuletzt eingesehen am 16.10.2018).

[6] Ebd., S. iii.

[7] Zur Deakzession im musealen Kontext vgl. Deutscher Museumsbund (Hg.): Nachhaltiges Sammeln. Ein Leitfaden zum Sammeln und Abgeben von Museumsgut, Berlin und Leipzig: Deutscher Museumsbund 2011, <https://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2017/03/leitfaden-nachhaltiges-sammeln.pdf>; in Bezug auf wissenschaftliche Sammlungen vgl. Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland (Hg.): Empfehlungen zu Aussonderung und Deakzession in wissenschaftlichen Universitätssammlungen, Berlin 2018, <https://wissenschaftliche-sammlungen.de/files/5815...Deakzession_201802.pdf> (beide zuletzt eingesehen am 16.10.2018).

[8] Walter Leimgruber, Nora Mathys und Andrea Voellmin (Hg.): Über den Wert der Fotografie. Wissenschaftliche Kriterien für die Bewahrung von Fotosammlungen, Baden: hier + jetzt 2013.

[9] Vgl. dazu Nora Mathys: „Das visuelle Erbe. Ein Produkt des Zufalls und der Überlieferungsbildung“, in: ebd., S. 91–103.

[10] Zur Bewertung des frühesten Farbbestandes des Ringier Bildarchivs vgl. Anna Leibbrandt: „ ‚Nicht nur die Stadt ist vieltausendfarbig‘ – Erschließung und Konservierung des frühesten Farbbestandes im Ringier Bildarchiv“, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 21 (2014), No. 3, N.F. 83, S. 36–44.

[11] Vgl. dazu auch Johanna Gummlich: „Fotografien für Köln und die Welt – 90 Jahre Rheinisches Bildarchiv: Jubiläumsausstellung im Kunsthaus Rhenania, Köln, 10. bis 22. November 2016“, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 23 (2016), No. 3, N.F. 91, S. 45–51.

[12] Siehe dazu Johanna Gummlich: „Vom Glück einer umfassenden Überlieferung: Peter H. Fürst und seine ‚konventionellen‘ Porträts“, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 24 (2017), No. 2, N.F. 94, S. 35–46.

[13] Vgl. <https://www.netzwerk-fotoarchive.de/ueber-uns> (zuletzt eingesehen am 16.10.2018).

[14] Zu den Foto-Beständen des Historischen Archivs der Stadt Köln vgl. Marie-Louise Frank: „Die Kuh vom Eis holen. Über die Bearbeitung von eingefrorenen, stark beschädigten fotografischen Materialien im Historischen Archiv der Stadt Köln“, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 24 (2017), No. 4, N.F. 96, S. 25–35.


Autorin

Dr. Sonja Feßel, Leiterin Fotografische Sammlung und Redaktion Rundbrief Fotografie, Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Philipps-Universität Marburg, Biegenstr. 11, 35037 Marburg, Germany, Tel. +49-6421-28-22194, fessel@fotomarburg.de